Life

all good things

1294 Tage. Vier Jahre. Vier Jahre! Im September fange ich wieder da an, wo ich vor vier Jahren schon mal war. Ganz neu und ganz unten. Was soll ich sagen, das Leben als Endlosschleife ist nicht unbedingt bloggenswert.

In diesem Sinne, Adieu.


Und danke.


Es hat mich sehr gefreut.

Back to the future

Mein Leben in 5 Jahren. Gestern noch vor meinem inneren Auge, heute schon als Foto an meinem Kühlschrank. Die Wunder der Technik.


hugo


(Stilleben mit Hugo Hund, entstanden während der Aufnahmen für einen Interior Design Katalog. Weder Tier, noch Mobiliar nenne ich übrigens mein Eigentum, die standen da bloß zufällig herum.)

Stirlitz und der Kühlschrank

Der Klempner und ich haben eine seltsame Gemeinsamkeit. Unsere Seelen wurden national fehlgeleitet. Während in meiner schlesisch-österreichischen Brust ein englischer Geist wohnt, der mit Pimms, Gurkensandwiches und der Chris Moyles Show gesalbt werden will, fühlt sich des Klempners sprituelles Organ am wohlsten, wenn es unterm Kremel sitzt und auf der Babuschka Balalaika schwermütige Lieder zupft. Naja. Des Klempners Seele ist eigentlich völlig unmusikalisch. Deswegen gabs statt Minnesang immer Rocky auf DVD und russische Witze. Einen mochte ich ganz besonders, weil er wunderbar veranschaulicht, wie wissenschaftliche Forschung funktioniert. Zusammenhänge herstellen, wo keine sind, auch bekannt als Statistik. Der Witz, jedenfalls, der geht so:

Stirlitz opened a door. The lights went on. Stirlitz closed the door. The lights went out. Stirlitz opened the door again. The light went back on. Stirlitz closed the door. The light went out again. "It's a fridge," concluded Stirlitz.

Rather funny, concluded I.

Blah.

Woran man merkt, daß man schon so ziemlich weg vom wissenschaftlichen Fenster ist? Wenn man 20 Minuten braucht, um einen sinnvollen Satz zu formulieren, der die Wörter investigate, protein und re-organisation beinhaltet.

(Abt/Publish or perish)

Das große Nichts

Wenn sich nix tut, kann man nix bloggen. Nämlich.

(Sie machen sich keinen Begriff, wie anstrengend es war, diesen Satz überhaupt zu schreiben. Ich muß mich gleich mal hinlegen.)

Na schön, vielleicht tut sich ja doch was und ich bin einfach zu faul, mich geistig zu ergießen. Vielleicht liegts auch daran, daß sich in meinem ach so dollen Leben vieles im Dreimonatsrhythmus zu wiederholen scheint.

Da wären zunächst die Männer. Der Klempner. Der Almost Lover. Der Trommler. Immer rund-herum-dideldum. Man möchte gähnen und kotzen gleichzeitig. Daß der Trommler mittlerweile vom Karussell gefallen ist und es mir an Zeit, Muße und Gelegenheit mangelt, ihn durch einen weiteren emotional gestörten Musiker zu ersetzen, hat dieses Blog eines interessanten Themas beraubt. Der Klempner hält immer noch den Wanderpokal für most brauchbarer Mann 2008 in Händen, sitzt aber auf der anderen Seite des Kanals, was rein freundschaftliches Biergetrinke und anschließende Berichterstattung extrem erschwert. Und daß mich der Almost Lover unlängst mit einem längst vergangen Kosenamen betitelte ist zwar irgendwie verstörend süß, aber auch nicht der Stoff, aus dem die Träume sind.

Mit Männergeschichten ists also Essig.

Mein Innenleben ist zur Zeit auch nicht weiter bemerkenswert. Ich bin Dreißig. Das einzige, was daran erschreckend ist: nächstes Jahr werde ich Einunddreißig. Von da an gehts steil bergab, habe ich mir sagen lassen. Die Weiterentwicklung der Persönlichkeit, die um die Dreißig angeblich einsetzt, ist bei mir tatsächlich in Zentimetern meßbar. Je älter ich werde, desto hochhackiger werden meine Schuhe. Dieser Reifungsprozess kulminierte letzte Woche in der Erkenntnis, daß ich, die passionierte Turnschuhträgerin, auf 10cm hohen Hacken laufen kann, ohne mir beide Beine zu brechen. Frau A. auf (Beinahe)High Heels re-enacting the Eiffel Tower, da hat er schön geschaut, der Typ im Schuhgeschäft, der seiner Freundin beim Birkenstockkauf zweckdienlich zur Seite hätte stehen sollen.

Apropos Innenleben. Wahrscheinlich ist es tatsächlich so, daß ich mich in der zweiten Heimat freier entfalten kann als hier, wo mich jeder zu kennen glaubt. Drüben, wurde mir gesagt, käme ich sanfter, verträglicher und sozialer rüber, sogar meine Stimme wäre anders. Vielleicht liegts an der Sprache, vielleicht aber auch daran, daß ich in der zweiten Heimat nicht ständig gegen die Vergangenheit angehen muß. Jedenfalls hatte ich nie die Intention, mich neu zu erfinden. Ich bin wahrscheinlich bloß aufgewacht und habe festgestellt, daß ich gar nicht so schwierig bin, wenn man mich einfach mal sein läßt.

Sie sehen. Es tut sich nix und es gibt nix zu sagen.

(Ich bin erschöpft und muß mich hinlegen. Jetzt gleich.)

Freibadromantik

Da saßen sie nun neben mir im Freibad, die zwei Vorarlbergerinnen, und unterhielten sich. Laut und dümmlich. Nebenbei hörten sie Eminem's neues Liedlein in einer sehr dünnen, blechernen Version auf ihrem Handyradio rauf und runter und starrten vorbeischlappenden Mitmenschen auf die Weichteile. Wäre der Steg nicht so voll gewesen, hätte ich den Platz gewechselt. Und dann, als ich mich gerade mit meinen Haßgefühlen arrangiert hatte, machte sich an meiner anderen Seite eine Vierergruppe deutscher Studenten breit.

ich hab gar keine Badehose mit. Was mach ich denn jetzt? sagte der eine zum anderen. Gehst halt in der Boxershort. Is eh egal. Wir sind hier in Wien. sagte der andere.

six degrees

S. durchforstet seit neuestem auf f***book die Freundeslisten anderer Menschen nach bekannten Gesichtern. Besessenheit Langeweile Hobby nennt man das wohl. Jedenfalls scrollte sich S. neulich durch die Bekanntschaften der Tante ihrer Mitbewohnerin und stolperte unter 576+ fremden Gesichtern tatsächlich über eines, das ihr bekannt vorkam. Der Kerl mit dem Namen eines Motorrades und den Tätowierungen eines Hell's Angel war, wie sich herausstellte, der Cousin der S'schen Mitbewohnerin. Damit nicht genug, ist er auch noch mit dem Klempner befreundet. Den Klempner wiederum kennt die Mitbewohnerin anscheinend ziemlich gut, denn als ihr die ganze Geschichte zu Ohren kam, meinte sie nur, ich solle mal Kontakt aufnehmen, weil schließlich wäre der arme Kerl eh single und Installateure wären ja auch so praktisch schick.

Na dann.

Es ist vollbracht (Vorspann)

Nach Jahren Monaten des Wahnsinns ist es endlich soweit: die Arbeit an der Doktorarbeit geht in die letzte Runde, will heißen, Feinschliff, Formatierung, Fitzelei. Und das Ergebnis von 6 Monaten Schlaflosigkeit, Schweiß und Magengeschwüren:

35.862 Wörter (exklusive Bibliografie)
39 Abbildungen
324 Referenzpublikationen (zum Großteil sogar gelesen)
56 Emails an die Chefität
50,1 MB
200 Teebeutel
3 Ausraster
geschätzte 500 Telefonate mit der Seelsorge (aka Frau Nono)
ein paar Mordgedanken
ein paar Selbstmordgedanken

Und am Ende steht: eine fette Schwarte und ein Titel, den 1% der Bevölkerung trägt und der eine der höchsten akademischen Auszeichnungen darstellt, die man erlangen kann. Vorausgesetzt, man schafft die Prüfung...

...und dann heißt es endlich: So long, my dearies, I'm outta here.

Ah. Ich kann es kaum erwarten.

below the surface

Die Arbeitskollegin, die vier 12 Stunden Schichten pro Woche schieben muß, weil sie Dank ihrer Schwester auf fünftausend Euro Mietschulden sitzt. Die andere Arbeitskollegin, deren Ehe von ihrem eigenen Vater annuliert wurde und der sie zur Strafe für untöchterliches Verhalten gleich noch enterbte. Der Bekannte, dessen fünfzehnjähriger Bruder sich in der Werkstatt des Vaters erhängte. Die Freundin eines Freundes, die bei jeder Mahlzeit daran erinnert wird, daß ihre Mutter sie als Kleinkind im Zorn so lange mit dem Kopf auf den Boden geschlagen hatte, bis ihr Kiefer brach. Die Schulkameradin, die hautnah miterlebte, wie sich ihr Vater zu Tode soff. Der sechsundzwanzigjährige Arbeitskollege, der das Wochenende im Drogenrausch verbringt und regelmäßig auf Parkbänken einschläft, weil er die Einsamkeit in den eigenen vier Wänden nicht ertragen kann. Die Schwester, die seit vierzehn Jahren mit chronischen Schmerzen lebt. Der Freund, der gerade am Küchenfenster stand, als sein Vater tot in der Garageneinfahrt zusammenbrach.

Diese Geschichten werden nebenbei erzählt, meistens in drei, vier Sätzen. Der alltägliche Horror als Anekdote, niemals als Entschuldigung, Waffe oder Werkzeug.

Umso unerträglicher sind mir die Menschen, die ihre Dramen als Bühne zur Selbstinszenierung mißbrauchen, sich über ihre Traumata definieren. Selbstmitleid als Charaktermerkmal. Man möchte kotzen.

Die kleinen Sünden...

Echter entzündeter Weisheitszahn statt gefakter Darmgrippe. Da sag noch einer, an Binsenweisheiten wär nichts dran.

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Zuletzt aktualisiert: 12. Okt, 09:25