Reminiszent betrachtet...

Kußmomente

"Laß uns nach Cannonhill Park fahren und spazieren gehen. Ich hol dich ab." sagst du und obwohl ich in meinem Leben noch nicht auf einem offiziellen Date war, schon gar nicht mit Hangover, ist die Aussicht auf Sonnenschein und frische Luft und Herzflimmern zu verlockend. An dein Gesicht kann ich mich zwar nicht mehr so genau erinnern - too many Cosmopolitans, definitiv - was mich etwas nervös macht, denn wer verbringt schon gerne den Sonntagnachmittag mit einem unattraktiven Manne in einem bewaldeten Park, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so sitze ich eine Stunde später auf dem Mäuerchen vor der Postfiliale und warte und male mir Horrorszenarien aus in denen ein älterer Herr und sein protziges Auto eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Du würdest dich fünf Minuten verspäten, hast du gesagt, doch aus den fünf Minuten werden zehn und dann zwölf und ich füge gerade den Horrorszenarien in Gedanken ein "bestellt und "nicht abgeholt" hinzu, als du in deinem uralten Mercedes den Bordstein entlanggeschreddert kommst. "Hey", sagst du, als ich mich zum Fenster runterbeuge. "Hey." Du strahlst mich an und öffnest mir von innen die Tür. "Hüpf rein. Ich muß nur schnell bei der Tankstelle vorbei."
Die ersten Minuten verbringen wir schweigend. Als wir an einer roten Ampel halten siehst du mich leicht amüsiert an. "Surreal, das. Oder?" "Ja", sage ich, "surreal." Und wir sehen uns zum ersten Mal richtig in die Augen. Irgendwo zwischen Herz und Magen regen totgeglaubte Schmetterlinge verschlafen ihre Flügel.
An der Tankstelle holst du eine Flasche Wasser und ich betrachte deine Rückenpartie, als du entspannt Richtung Kasse gehst. "Netter Hintern", denke ich, "mein lieber Schwan." Bevor du wieder einsteigst, streichst du mir im Vorbeigehen über den nackten Unterarm und grinst verstohlen. Die Schmetterlinge schlagen aufgeregt ihre Flügel zusammen.
Auf dem Weg nach Cannonhill reden wir wenig. Schweigen ist angenehm mit dir. Von Zeit zu Zeit siehst du mich von der Seite an und ich muß jedesmal grinsen, weil du dabei so prüfend schaust.
Im Park kaufst du mir Tee mit Milch und wir setzen uns auf die Wiese mitten zwischen picknickende Großfamilien. Du teilst dein Schinkensandwich mit mir und wir reden über unsere Jobs, das Leben in fremden Städten und die Absurdität von ersten Dates. Zwei Stunden und zwei Kilometer Forststraße später reden wir immer noch und ich weiß jetzt, daß du Brüder und Schwestern hast, daß du nicht verstehst, wieso deine Eltern noch verheiratet sind, daß du gerne Motorradfahren lernen würdest und daß ich dich am liebsten auf der Stelle bespringen würde.
Irgendwann, die geteerte Forststraße ist schon lange in einen Schotterweg übergegangen, Krüppelkiefern und Heidekraut soweit das Auge reicht, setzen wir uns unter ein paar Birken ins Gras. "Mei bin ich müde. Ich glaub ich muß mich kurz hinlegen", sagst du und rubbelst dir verschlafen die Augen. "Mach nur", sage ich und du streckst dich auf dem struppigen Gras aus und gluckst mit geschlossenen Augen zufrieden in dich hinein. "Was ist denn so lustig?" "Gar nichts." Deine Mundwinkel zucken und ich muß lachen. "Hm hm." sagst du und ich lehne mich zurück, bis mein Kopf an deiner Schulter liegt. Du legst deinen Arm um mich, die Augen immer noch geschlossen, deine Hand leicht auf meiner Hüfte. Ich kann dein Herz schlagen hören, schnell und regelmäßig. Eine Zeitlang liegen wir umschlungen da, dein Herz beruhigt sich, meines auch. Du riechst nach Waschmittel, Seife und Sommer und ein bißchen nach Tabak. Während du schläfst betrachte ich dein Gesicht, das mir so fremd und schon so vertraut ist; deine grauen Schläfen, dein leicht ergrauter Stoppelbart, die Lachfältchen um deine Augen, die Narbe auf deiner linken Wange. Mit der Zeigefingerspitze verfolge ich Linien, überschreite Grenzen, manchmal muß man spüren, um zu sehen. Als ich deinen Mundwinkel berühre, lächelst du. Wir sehen uns an, ganz ernst, und ich denke kurz an mögliche Kußinkompatibilität. Dein Herz schlägt schnell unter meiner Hand, mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Als sich unsere Lippen berühren, macht das deine einen Sprung. In meinem Magen tausend Schmetterlinge. Von Kußinkompatibilität keine Spur.

inspiriert von ihr und einem langen Abschied

Im Käseland

Der Herr Schweizer hat eine dermassen charmante Reiseanleitung für seine Cheimat verfasst, dass ich fast in Versuchung bin, das Abenteuer Käseland, das zwei geschätzte Mitreisende und ich vor einigen Jahren erleben durften, als Fata Morgana abzutun. Weils aber eine so luschtige Geschichte ist die ich immer schon mal zu Papier bringen wollte, bitte ich die braven Schweizer Bürger um Nachsicht, nicht Rage.

Im Jahre 2004 reisten der Herr Trma, Frau Nono und ich mit dem Auto 2800 km von Wien an die französische Atlantikküste. Ein ortsunkundiger Vollsepp erfahrener Ortskundiger hatte uns empfohlen, den Weg durch die Schweiz und die französischen Pyrenäen zu nehmen und Paris zu umfahren, wegen des Urlauberrückreiseverkehrs vermutlich, und wir packten brav Zelt und Campingkocher ein und machten uns auf den Weg. Auf der sechsundzwanzigstündigen Hinfahrt lief auch alles einigermassen glatt, aber die Rückfahrt gestaltete sich als Herausforderung.
Mit einem Auto, bei dem die Motorkühlung nicht funktioniert in der prallen Sonne stundenlang bergauf und bergab im Stau zu stehen, kann sehr spannend sein.
Trotz Stau schafften wir es dann doch noch vor Einbruch der Dunkelheit bis in die Schweiz und wie auf Kommando fing es an, wie aus Eimern zu schütten. Weil es inzwischen stockfinster war und wir einigermassen geschafft, beschlossen wir, uns in Bern in einem Hotel der Kette Ibis einzumieten. Die Herrschaften an der Rezeption waren auch hilfreich und gut und vermieteten uns ein gerade freigewordenes Zimmer, das allerdings erst gereinigt werden musste. Froh gestimmt holten wir also unsere Rucksäcke aus dem Auto und begaben uns ins hoteleigene Bistro, wo wir der Dinge harrten, die da kommen sollten. Und sie kamen unaufhaltsam.
Nein, das Zimmer wäre doch nicht frei, denn da wäre noch eine Zahnbürste im Bad und man sei sich nicht sicher, ob der Gast wirklich ausgecheckt habe. würde uns plötzlich verkündet - wahrscheinlich war man sich angesichts unseres Gepäcks nicht sicher, was man von unserem Leumund zu halten habe - aber man könne uns eine Unterkunft in der Innenstadt vermitteln. Um 20 Euro teurer, aber man habe schon mit dem Rezeptionisten telefoniert, der würde auf uns warten.
Wir also wieder ins Auto und mit Hilfe einer dubiosen Wegbeschreibung in die Innenstadt gegurkt. Dort verfranzten wir uns hoffnungslos im Einbahnsystem und kamen schliesslich zwanzig Minuten später als angekündigt im Hotel an.
Nein, das Zimmer sei schon weg leider. Wir wären ja aber auch viel zu spät gewesen, nicht wahr? Aber man habe bereits mit einem befreundeten Hotelier telefoniert und der hätte ein Zimmer frei. Zwar um 20 Euro teurer, aber dafür würde man uns auch den Weg weisen.
Wir also wieder ins Auto und mit Hilfe eines dubiosen Portiers zum nächsten Hotel chauffiert. Dort erwartete uns bereits der Koch mit ausgestreckter Hand - Vorauskasse, wenns recht wär - und geleitete uns in unsere Kemenate. Und was für eine Kemenate das war! Im Fernsehen nur Pornosender und im Bad Kleenex in rauhen Mengen. da wunderte es uns auch nicht mehr, dass uns keiner nach unseren Pässen gefragt hatte.
Am nächsten Morgen machten wir uns zeitig vom Acker, allerdings nicht ohne alle (gelben) Handtücher mitzunehmen und als Zeichen unserer Dankbarkeit eine volle rolle Klopapier vor die Eingangstür zu stellen. That's the way Österreichers show their disapprovement, sagt man.
Im nächsten Jahr fuhren wir übrigens über Paris. Und um die Berner Mafia Hoteliersvereinigung mache ich seitdem einen grossen Bogen.

The Space Between

There is fiction in the space between
The lines on your page of memories
Write it down but it doesn't mean
You're not just telling stories

Zweitausendundsechs, vier Uhr nachmittags in England. Ich packe Briefe und alte Fotos in einen Schuhkarton; Frau Nono kommt nächste Woche zu Besuch und Ordnung muss schliesslich sein. Während ich so staple und ordne, riecht es plötzlich nach frischer Farbe. Der Nachbar streicht anscheinend die Veranda neu. Und wie auf Kommando spielen sie How you remind me im Radio und ich bin wieder einundzwanzig und stehe auf einer Trittleiter, die Unterarme voller weisser Farbe, Styroporkügelchen im Haar.
Nach zwei Jahren Studentenheimleben habe ich mit Y. endlich eine Wohnung im zweiten Bezirk bezogen. Von der Loggia aus hat man den besten Blick aufs Riesenrad und in der Küche liegt roter Teppich - wie im Puff, pflegt M., ein echter Mann von Welt, zu bemerken, wenn er abends auf ein oder fünf Bier vorbeikommt.
Y. und ich kratzen die Styroporisolierung von der Wand und trinken lauwarmes Stiegl Bier, während unter uns der nächtliche Verkehr vorbeirauscht. Es riecht nach Oleander, der fünf Stockwerke tiefer auf einer Verkehrsinsel blüht, und gerade haben sie die Riesenradbeleuchtung ausgeschaltet. In der letzten Woche haben wir kilometerweise Tapete von der Wand gerissen und mehr als vierzig Kilo Farbe verpinselt. Überall stehen leere Eimer und das einzige bewohnbare Möbel ist das Doppelbett, in dem die Großmutter des Vermieters gestorben ist. Manchmal erzählen wir uns bei Kerzenschein Gruselgeschichten, bevor wir ins Bett gehen, und dann trauen wir uns stundenlang nicht aufs Klo. Heute morgen haben wir im Backofen einen Teller gefunden. Der war zwischen Rückwand und Gitterrost eingeklemmt und wir haben keine Ahnung, wie er da hin gekommen ist. Das war sicher die tote Großmutter., vermutet Y., Wir müssen die mal exorzieren, wenn wir mit dem ausmalen fertig sind. Y. hat viele verborgene Talente.
In den nächsten fünf Jahren werden wir in unserer Wohnung viel erleben. Parties in der Loggia, Sodom und Gomorrha in der Küche, nächtelange Prüfungsvorbereitungen. Wir werden meinen dreiundzwanzigsten Geburtstag mit zwei Flaschen Wodka feiern und am frühen Nachmittag völlig betrunken ins Bett fallen, wir werden einen Goldfisch und einige Beziehungen zu Grabe tragen und wir werden dekadente Schaumbäder bei Kerzenschein nehmen. Wir werden Sonntags stundenlang über den Sinn und Unsinn der Welt diskutieren, Zukunftspläne schmieden und ein Perpetuum mobile erfinden.
Davon wissen wir im August zweitausendundeins noch nichts. Aber um vier Uhr früh stehen wir auf unseren Trittleitern und prosten uns mit dem letzten Rest Bier zu. Bin gespannt, was die Zukunft bringt, sagt Y. Ich auch, denke ich.
Sechs Jahre später sitze ich in einem anderen Zimmer in einem anderen Land und in einem anderen Leben und schaue dieses Foto an. Y., wie sie leibt und lebt. Letzte Woche haben wir zum ersten Mal seit Monaten telefoniert. Es war ein langes Telefonat und es war fast wie früher. Aber eben nur fast. Fünf Jahre lang haben wir ein Leben geteilt und sind denselben Weg gegangen. Jetzt haben wir beide unser eigenes Leben, neue Freunde, neue Ziele und weniger gemeinsam. Wir reden über Erlebtes statt über Befindlichkeiten und über Alltagsgeschichten statt über Persönliches. Alles toll, alles super. Und mittendrin fällt mir auf, dass der Lack ab ist. Glorious Y., die Frau mit den vielen Talenten, dem unbeugsamen Selbstbewusstein und den vielen Freunden, ist zu den Sterblichen zurückgekehrt. Das Mittelmaß hat unbarmherzig zugeschlagen und den weiteren Weg vorgegeben. Heiraten, Kinder kriegen, ein Haus im Grünen. Schade eigentlich.
Bin gespannt, was die Zukunft bringt, sagt Y. in meinem Kopf.
Ich eigentlich nicht, denke ich und mache den Schuhkarton zu.

Kann es Liebe sein? oder: Darling, ich muss weg

Vor vielen, vielen 5-6 Jahren, da traf ich mich mit meinem Exfreund D. auf einen Kaffee. Erstens weil man das so macht, wenn man zivilisiert ist, und zweitens, weil ich gerade in einer singlebedingten Sinnkrise dümpelte und männlicher Aufmerksamkeit bedurfte. Zwei Jahre vor diesem Encounter hatten wir uns einvernehmlich - wenn auch für mich etwas überraschend - mitten in der Nacht getrennt und ich hatte mich immer gefragt, ob der Auslöser dafür der vorhergegangene Streit am Telefon oder doch etwas Tiefergreifendes gewesen war. Nun, wir trafen uns im italienischen Cafe gegenüber der Uni und wir redeten. Über seinen Urlaub, drei Monate Windsurfen in Italien, leider ohne Wind, über mein Studium (erfolgreich), über sein Studium (nicht so erfolgreich), über seinen Bruder (verheiratet), über meine Schwestern (verbandelt), über die letzte Party (alkoholgeschwängert). Der Nachmittag tröpfelte dahin und nach dem dritten Kaffee stiegen wir auf Bier um. Irgendwann, wir waren beide schon etwas angeheitert, redeten wir über seine Exfreundin, an der er fühlbar noch immer hing, auch wenn er sowas von drüber weg war, und mir dämmerte es; langsam, aber stetig. Seine Exfreundin K. war aus Studiengründen für ein Jahr nach Spanien gegangen und er, anstatt sich eine Telefonwertkarte anzuschaffen, hatte sie abgesägt, noch bevor sie ihren Koffer fertiggepackt hatte. Warum? Weil er sich verliebt hatte, sagte er. Hä? Bitte? Jaja, genau wie bei dir damals. Da hab ich auch Schluss gemacht, als ich gemerkt hab, dass du mir mehr bedeutest. Er schaute mich an, grinste, schüttelte leicht den Kopf, als könne er es nicht fassen. Ich konnte es auch nicht fassen. Moment mal, und am Anfang? Was hab ich dir denn da bedeutet? Wir hatten doch am Anfang noch nicht mal Sex?! Keine Ahnung, sagte er. Ich hab dich halt gemocht. Und als ich mich in dich verliebt hab, das war einfach zuviel für mich. Emotional, und so. Schön blöd irgendwie, gell?
Ja, schön blöd. Da macht man sich jahrelang Gedanken, was man denn bloss falsch gemacht hat und dann stellt sich raus, dass sich der Kerl bloss verliebt hat und das seelisch einfach nicht verkraften kann.
Na, zumindest lag es nicht an dir, bemerkte Freundin Y. weise und ich konnte nicht umhin, ihr Recht zu geben. Trotzdem. Ich glaube heute, dass an diesem Tag der Grundstein für meine weiteren Beziehungsdisaster gelegt wurde. Man muss sich das so vorstellen:
Frau Anekalina und ihr Göttergatte kuscheln auf dem Sofa. Göttergatte schaut Frau Anekalina tief in die Augen und sagt Ich liebe dich. Ok, sagt Frau Anekalina, und geht ihren Koffer packen. Eine Stunde später winkt Göttergatte verwirrt dem Taxi hinterher, in dem Frau Anekalina einer ungewissen Zukunft als Single entgegenfährt und sich fragt warum das immer ihr passiert...

scared

Meine fünfzehn Minuten

ball

Es gibt ja so Geschichten, die liest man im Goldenen Blatt oder in der Bunte während man beim Frisör unter der Trockenhaube schwitzt, bei denen denkt man sich, das muss jemand erfunden haben. Zum Beispiel, dass Herr Beckham beim Joggen im Bayrischen Wald ein bayrisches Mädel kennengelernt und ihr ein unmoralisches Angebot gemacht hat. Gleich mitten auf dem Feldweg. Jaaaa! Haha! Wers glaubt! Realitätscheck: Sie kämpfen sich seit Jahren tageintagaus durch das Gestrüpp hinter ihrem Komposthaufen und haben doch noch nie jemanden mit nennenswertem Glamourfaktor getroffen. Schlussfolgerung: die Bunte lügt. Wie gedruckt. Haben Sie sich gleich gedacht, klar.

Sollten Sie trotzdem noch hoffen, irgendwann mal Herrn Beckham dabei zu erwischen, wie er ihre Küchenabfälle durchwühlt, kann ich Ihnen nur eines sagen: hoffen Sie weiter. Es wird bloss nichts nützen. Sollten Sie hingegen zu der Sorte Mensch gehören, die gegen Glamour resistent ist und in Restaurants Berühmtheiten am Nebentisch nonchalant ignoriert, dann könnte Ihnen dasselbe passieren wie mir. Sie könnten auf eine Berühmtheit treffen. "Off Guard" sozusagen. Und sich Stunden später in einem fremden Schlafzimmer wiederfinden. Zwar nicht "Off Clothes", aber einigermassen baff. Ja, das passiert wirklich. Sie dürfen es nur nicht wollen. Ach, für Fussball sollten Sie sich auch nicht interessieren. Das hilft.

Alles, was Sie für Ihre fünfzehn Minuten Ruhm brauchen, ist:
ein Robbie Williams Konzert, drei Freunde aus Norwegen ohne Tickets, eine gute Bekannte mit Tickets und eine Mitbewohnerin, die an akuter Diplomarbeitsschreibverweigerung laboriert. Jetzt schicken Sie die gute Bekannte auf das Konzert, wo sie zufällig auf unsere drei norwegischen Freunde trifft und ihnen ein Ticket verscherbelt. Nun richten Sie es so ein, dass einer der drei Jungs ihre Bekannte unglaublich anziehend findet und sich mit ihr in einem bekannten Bierlokal treffen will um diese Anziehung zu vertiefen. Hier kommt die Mitbewohnerin ins Spiel, die zur Rückendeckung herbeigerufen wird und dann ein schlechtes Gewissen hat, weil Sie ja immer noch zu Hause sitzen und an Ihrer Diplomarbeit schreiben. Die Mitbewohnerin beordert nun Sie in das Bierlokal, um ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen. Und weil Sie ein faules Stück sind gehen Sie lieber ein Weinchen trinken, statt über Ihrer Arbeit zu brüten. Im Lokal treffen Sie auf vier norwegische Herren und zwei aufgeregte Mädels. Ja genau, auf einmal warens vier. Die Herren stellen sich vor, Sie stellen sich vor. Einer von den Jungs heisst Thorsten, genau wie ihr Bruder. Das finden Sie lustig, aber die ganze Aufregung verstehen Sie nicht. Sie trinken ein paar Weinchen und ein paar Vodkas, weil die Herren ja bezahlen und man solche Gelegenheiten nicht ungenutzt verstreichen lassen soll. Weil es inzwischen nach MItternacht ist, wechseln Sie vom Bierlokal in einen Club, wo Sie noch mehr Vodka trinken. Sie tanzen ein bisschen mit den Herren und blödeln mit dem lustigen Thorsten herum. Dann müssen Sie mal aufs Klo und werden an der Tür von einem Bürschchen abgefangen, das ganz aufgeregt ist. mein Gott, heute sind wirklich alle sehr hektisch, denken Sie. Aber Sie müssen wirklich ganz dringend und das Gestammle von dem Knaben fällt Ihnen auf den Wecker. Also gehen Sie einfach pinkeln. Als Sie wieder rauskommen aus dem Klo, ist der aufgeregte Stammler immer noch da.
"Sag mal, du?" flüstert er ganz ehrfürchtig "der da mit dir an der Bar steht, ist das der Thorsten Blablabla? Ja?"
Wegen dem ganzen Vodka hören Sie schon schlecht.
"Der WER?" brüllen Sie. Das Bürschchen guckt verdutzt.
"Der Blablabla!"
"Nö. Keine Ahnung." ist Ihnen ja auch irgendwie egal jetzt.
Sie wanken zur Bar zurück und erzählen dem Thorsten von ihrer Kloerfahrung. Der findet das zum Brüllen komisch und Sie sehr charmant. Zumindest sagt er das. Irgendwas haben Sie wohl verpasst, also unterziehen Sie den Stammler einer genaueren Befragung.
"Der heisst WIE nochmal?"
"T-h-o-r-s-t-e-i-n. H-e-l-s-t-a-d. Isser doch, oder?"
Ach, was wissen Sie schon.
"Was macht der nochmal beruflich?"
"Der ist Stürmer bei der Austria."
(Für alle Nicht-Österreicher, das ist der berühmteste Fussballclub in Österreich. Ungefähr so wie Inter Mailand, nur schlechter.)
Das Bürschchen hüpft aufgeregt auf und ab und Ihnen wird ein bisschen übel. Das haben Sie jetzt von ihrer Ignoranz.
Sie entschliessen sich zu einem Frontalangriff und erzählen dem Thorsten mit "i", dass Sie ja keine Ahnung gehabt hätten, dass er berühmt sei. Der Thorstein findet das ganz klasse und packt Sie in ein Taxi - alles nur Tarnung, der hat wahrscheinlich einen BMW samt Chauffeur in der Garage - und zusammen mit der restlichen Entourage fallen Sie in seine Wohnung ein. Dort schmiert Ihnen der Thorstein ein Brot mit Liptauer, das Sie am liebsten in ihre Tasche stecken und später daheim einrahmen würden. Dann spielen Sie ein bisschen Fussball quer durch alle Zimmer, was in einem Rock gar nicht so einfach ist, und beenden den Abend mit einem zünftigen Gehüpfe auf dem Ehebett. Letzteres bricht unter der geballten Sprungkraft von vier betüdelten Herren und drei nicht minder betüdelten Damen beinahe zusammen, aber das schert auch niemanden mehr. Und als Sie um sieben Uhr früh nach Hause wanken, haben Sie wieder was gelernt, nämlich: Berühmte Menschen haben es am liebsten, wenn man Sie nicht erkennt. Gute Bekannte haben es nicht sehr gern, wenn man ihnen das Objekt der Begierde abspenstig macht, und sei es ungewollt. Und trinkfreudige Mitbewohnerinnen können durchaus nützlich sein.

Ach ja. Beim Wohnzimmerfussball haben wir Mädels siebzehn zu fünfzehn gewonnen. Lag wohl an unserer Taktik. Im Angriffsfall einfach auf den Ball setzen. Wenn man einen Rock anhat, bringt das manchmal echt Vorteile.

Life, Chop Suey

feingehackt und grob gewürfelt

Frau A.

Wohnt auf einer nahezu flachen Insel. Mag Kinder, Viren und Hunde. Kann Kühe melken. Stiehlt mit Vorliebe und einer Nikon SLR die Seelen der sie umgebenden Menschen. Würde gerne dreisprachig sein. Verehrt Hugh Laurie. Liebt schnöde amerikanische Fernsehserien, britischen Humor und kluge Bücher. Ist nach aussen nett und nach innen sarkastisch-misanthropisch. Hat ein Zweitgehirn und ist verschwestert mit den uneineiigsten eineiigen Zwillingen der Welt. Wird nächstes Jahr einen Bestseller schreiben und in Frühpension gehen.

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Du bist nicht angemeldet.

Was die anderen sagen...

lol...so hab ich mir...
lol...so hab ich mir das noch nicht überlegt gehabt....
Frau A. - 5. Jul, 21:38
Klar helfen die... man...
Klar helfen die... man lernt keine Menschen mehr kennen,...
Emily (anonym) - 5. Jul, 19:42
Dealen, das würde...
Dealen, das würde ich nie im Leben machen. Ist...
Malte - 1. Jul, 18:28
sehr schön. werden...
sehr schön. werden wir sie in zukunft als eine...
herrtrema - 16. Jun, 13:09
Das mit dem geklammerten...
Das mit dem geklammerten (l) beißt sich ein bissl...
erwin (anonym) - 10. Jun, 03:06

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Zuletzt aktualisiert: 7. Jul, 20:33