
Es gibt ja so Geschichten, die liest man im Goldenen Blatt oder in der Bunte während man beim Frisör unter der Trockenhaube schwitzt, bei denen denkt man sich, das muss jemand erfunden haben. Zum Beispiel, dass Herr Beckham beim Joggen im Bayrischen Wald ein bayrisches Mädel kennengelernt und ihr ein unmoralisches Angebot gemacht hat. Gleich mitten auf dem Feldweg. Jaaaa! Haha! Wers glaubt! Realitätscheck: Sie kämpfen sich seit Jahren tageintagaus durch das Gestrüpp hinter ihrem Komposthaufen und haben doch noch nie jemanden mit nennenswertem Glamourfaktor getroffen. Schlussfolgerung: die Bunte lügt. Wie gedruckt. Haben Sie sich gleich gedacht, klar.
Sollten Sie trotzdem noch hoffen, irgendwann mal Herrn Beckham dabei zu erwischen, wie er ihre Küchenabfälle durchwühlt, kann ich Ihnen nur eines sagen: hoffen Sie weiter. Es wird bloss nichts nützen. Sollten Sie hingegen zu der Sorte Mensch gehören, die gegen Glamour resistent ist und in Restaurants Berühmtheiten am Nebentisch nonchalant ignoriert, dann könnte Ihnen dasselbe passieren wie mir. Sie könnten auf eine Berühmtheit treffen. "Off Guard" sozusagen. Und sich Stunden später in einem fremden Schlafzimmer wiederfinden. Zwar nicht "Off Clothes", aber einigermassen baff. Ja, das passiert wirklich. Sie dürfen es nur nicht wollen. Ach, für Fussball sollten Sie sich auch nicht interessieren. Das hilft.
Alles, was Sie für Ihre fünfzehn Minuten Ruhm brauchen, ist:
ein Robbie Williams Konzert, drei Freunde aus Norwegen ohne Tickets, eine gute Bekannte mit Tickets und eine Mitbewohnerin, die an akuter Diplomarbeitsschreibverweigerung laboriert. Jetzt schicken Sie die gute Bekannte auf das Konzert, wo sie zufällig auf unsere drei norwegischen Freunde trifft und ihnen ein Ticket verscherbelt. Nun richten Sie es so ein, dass einer der drei Jungs ihre Bekannte unglaublich anziehend findet und sich mit ihr in einem bekannten Bierlokal treffen will um diese Anziehung zu vertiefen. Hier kommt die Mitbewohnerin ins Spiel, die zur Rückendeckung herbeigerufen wird und dann ein schlechtes Gewissen hat, weil Sie ja immer noch zu Hause sitzen und an Ihrer Diplomarbeit schreiben. Die Mitbewohnerin beordert nun Sie in das Bierlokal, um ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen. Und weil Sie ein faules Stück sind gehen Sie lieber ein Weinchen trinken, statt über Ihrer Arbeit zu brüten. Im Lokal treffen Sie auf vier norwegische Herren und zwei aufgeregte Mädels. Ja genau, auf einmal warens vier. Die Herren stellen sich vor, Sie stellen sich vor. Einer von den Jungs heisst Thorsten, genau wie ihr Bruder. Das finden Sie lustig, aber die ganze Aufregung verstehen Sie nicht. Sie trinken ein paar Weinchen und ein paar Vodkas, weil die Herren ja bezahlen und man solche Gelegenheiten nicht ungenutzt verstreichen lassen soll. Weil es inzwischen nach MItternacht ist, wechseln Sie vom Bierlokal in einen Club, wo Sie noch mehr Vodka trinken. Sie tanzen ein bisschen mit den Herren und blödeln mit dem lustigen Thorsten herum. Dann müssen Sie mal aufs Klo und werden an der Tür von einem Bürschchen abgefangen, das ganz aufgeregt ist. mein Gott, heute sind wirklich alle sehr hektisch, denken Sie. Aber Sie müssen wirklich ganz dringend und das Gestammle von dem Knaben fällt Ihnen auf den Wecker. Also gehen Sie einfach pinkeln. Als Sie wieder rauskommen aus dem Klo, ist der aufgeregte Stammler immer noch da.
"Sag mal, du?" flüstert er ganz ehrfürchtig "der da mit dir an der Bar steht, ist das der Thorsten Blablabla? Ja?"
Wegen dem ganzen Vodka hören Sie schon schlecht.
"Der WER?" brüllen Sie. Das Bürschchen guckt verdutzt.
"Der Blablabla!"
"Nö. Keine Ahnung." ist Ihnen ja auch irgendwie egal jetzt.
Sie wanken zur Bar zurück und erzählen dem Thorsten von ihrer Kloerfahrung. Der findet das zum Brüllen komisch und Sie sehr charmant. Zumindest sagt er das. Irgendwas haben Sie wohl verpasst, also unterziehen Sie den Stammler einer genaueren Befragung.
"Der heisst WIE nochmal?"
"T-h-o-r-s-t-e-i-n. H-e-l-s-t-a-d. Isser doch, oder?"
Ach, was wissen Sie schon.
"Was macht der nochmal beruflich?"
"Der ist Stürmer bei der Austria."
(Für alle Nicht-Österreicher, das ist der berühmteste Fussballclub in Österreich. Ungefähr so wie Inter Mailand, nur schlechter.)
Das Bürschchen hüpft aufgeregt auf und ab und Ihnen wird ein bisschen übel. Das haben Sie jetzt von ihrer Ignoranz.
Sie entschliessen sich zu einem Frontalangriff und erzählen dem Thorsten mit "i", dass Sie ja keine Ahnung gehabt hätten, dass er berühmt sei. Der Thorstein findet das ganz klasse und packt Sie in ein Taxi - alles nur Tarnung, der hat wahrscheinlich einen BMW samt Chauffeur in der Garage - und zusammen mit der restlichen Entourage fallen Sie in seine Wohnung ein. Dort schmiert Ihnen der Thorstein ein Brot mit Liptauer, das Sie am liebsten in ihre Tasche stecken und später daheim einrahmen würden. Dann spielen Sie ein bisschen Fussball quer durch alle Zimmer, was in einem Rock gar nicht so einfach ist, und beenden den Abend mit einem zünftigen Gehüpfe auf dem Ehebett. Letzteres bricht unter der geballten Sprungkraft von vier betüdelten Herren und drei nicht minder betüdelten Damen beinahe zusammen, aber das schert auch niemanden mehr. Und als Sie um sieben Uhr früh nach Hause wanken, haben Sie wieder was gelernt, nämlich: Berühmte Menschen haben es am liebsten, wenn man Sie nicht erkennt. Gute Bekannte haben es nicht sehr gern, wenn man ihnen das Objekt der Begierde abspenstig macht, und sei es ungewollt. Und trinkfreudige Mitbewohnerinnen können durchaus nützlich sein.
Ach ja. Beim Wohnzimmerfussball haben wir Mädels siebzehn zu fünfzehn gewonnen. Lag wohl an unserer Taktik. Im Angriffsfall einfach auf den Ball setzen. Wenn man einen Rock anhat, bringt das manchmal echt Vorteile.