X Rated

Guts and G(l)ory

Good old Frank Miller strikes again. Und in 300 ist alles noch besser, noch extremer und grafisch noch ansprechender als in dazumals Sin City. Bei so mancher Kampfszene hätt's die Frau A. beinahe rücklings aus dem Sessel gehaun und das nicht bloss wegen der sehr, sehr spartanischen Bekleidung der Spartaner.



Entgegen all meiner Erwartungen: Prädikat wirklich sehenswert.

SehZiert: El Laberinto Del Fauno (Pan's Labyrinth)

"dark, twisted and beautiful" (The Guardian)

Weihnachtszeit ist ja bekanntlich Kinozeit und wenn man sich den x-ten Herr der Ringe Abklatsch, die obligate Rom-Com* oder Tim Allen als Escape Clause nicht antun will, dann bleibt einem eigentlich nur eins: man vergisst, dass Guillermo Del Toro einstmals Hellboy verbrochen hat und schaut sich El Laberinto Del Fauno an. Auf Spanisch. Und bewaffnet mit einer riesigen Tüte gebratene Mandeln (oder irgendwas anderem, das weihnachtlich riecht).

Pan's Labyrinth "is the story of a young girl that travels with her mother and adoptive father to a rural area up North in Spain in 1944, after Franco´s victory. The girl lives in an imaginary world of her own creation and faces the real world with much chagrin. Post-war Fascist repression is at its height in rural Spain and the girl must come to terms with that through a fable of her own.", sagt Del Toro und er hat natürlich Recht. Pan's Labyrinth ist ausserdem ein märchenhaftes Meisterwerk der Cinematografie, in dem sich die Spezialeffekte nahtlos in die wirkliche Welt einfügen und das einen zwei kurzweilige Stunden lang in Atem hält. Dunkel und brutal, fabelhaft und wunderlich, liebenswert und herzzerreissend.

Ach, James Bond hab ich mir übrigens auch angeschaut. Zweieinhalb laaaange Stunden später bin ich zu folgender Erkenntnis gekommen: wenn man James Bond Filme mag, ist Casino Royale absolut fantastisch. Wenn einem James Bond Filme eigentlich wurscht sind, dann kann man sich das Geld auch sparen und auf die DVD warten. Ausser man ist masochistisch veranlagt und schaut sich gerne an, wie Daniel Craig (der wirklich besser ist als Timothy Dalton) in Keira Knightley-Manier die Lippen schürzt. Mir ist bei der allerersten Verfolgungsszene, die sich u.a. auf einem sehr hohen Kran abspielt, übrigens schlecht geworden - Höhenangst...

*Anm. des Übersetzers: romantic comedy

SehZiert: Marie Antoinette

marie

Sophia Coppola liefert nach Lost in Translation das nächste cinematographische Glanzstück ab. Wunderschöne Kostüme, beeindruckend gefilmte Schauplätze (Versailles in echt!) und superstimmige Farbkombinationen. Großer Pluspunkt: kein langweiliger Historienschinken, sondern eine erfrischend neue, überraschend witzige und seltsam berührende Geschichte mit gut ausgewählten Darstellern. Großer Minuspunkt: die Länge. Im ersten Drittel des Films amüsiert man sich über die skurrilen Gebräuche bei Hof und die vergeblichen Versuche, den Herrn König zum Beischlaf mit seiner Königin zu bewegen und als der Akt dann endlich vollzogen ist, flaut der Spannungsbogen für 40 Minuten ab, bevor es ins Finale geht. Auf jeden Fall aber absolut sehenswert, besonders wenn man pink mag.

SehZiert: The Departed

departed

Mein persönlicher Film des Jahres, noch vor Brokeback Mountain. Extrem gut umgesetzte Story, zwei Stunden Hochspannung, Lots of Blood, die Bostoner Mafia, Good Cop versus Bad Cop und Jack Nicholson als skurril-bizarrer Godfather. Oder, um es anders zu sagen: Mob rules. Scorsese is back. Unbedingt anschauen.

SehZiert: Hard Candy

hardcandy

Ein Film an dem sich die Geister gewaltig scheiden werden. Die eigentliche Story ist schnell erzählt: 32jähriger Fotograf verabredet sich via Internet mit 14jährigem Schulgör, man trifft sich in einem Coffeeshop, sie ist ganz Lolita und zieht alle Register, er ist zurückhaltend und amüsiert. Letztendlich fährt man zu ihm, hört Musik und trinkt Wodka mit O-Saft und gerade als die Situation ausser Kontrolle zu geraten droht, fällt er plötzlich in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kommt ist sie nicht mehr Lolita, sondern Eisengel und er ist an einen Bürostuhl gefesselt. Und dann wirds interessant. Ist er ein pädophiler Mädchenmörder? Ist sie völlig irre? Worum geht es hier eigentlich?
Was etwas konfus und weit hergeholt klingt, ist ein psychologisches Verwirrspiel mit beeindruckenden Hauptdarstellern, das mit den Moralvorstellungen des Zuschauers spielt und stellenweise verstörend wirkt. Je näher man der Wahrheit kommt, desto öfter wechseln die Sympathien und das erschreckt einen selbst viel mehr, als man am Anfang zugeben möchte.
Kurz gesagt, dass ein 14jähriges Mädchen einen erwachsenen Mann foltert ist sicher weit hergeholt. Aber darum geht es in dem Film gar nicht. Es geht um Scheinmoral. Um die eigenen Werte. Und um die Frage, was ein Mensch tun muss, um sein Recht auf menschliche Behandlung zu verlieren.

SehZiert: The Da Vinci Code/Sakrileg

davincicode

Gähn! Ach ja: gääääääääähn! Wie man aus einem spannenden Buch so einen Verhau machen kann, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Zugegebenermassen, das Buch zum Film ist kein zweiter Wendekreis des Krebses, sondern ein intellektuelles Leichtgewicht; erstaunlicherweise hat der Film jedoch durchaus Ähnlichkeit mit einem seitwärtslaufenden Schalentier. Einem blinden, tauben und einbeinigen Schalentier.
Zweieinhalb Stunden müssten ja eigentlich ausreichen um die Story durchzuackern. Falsch gedacht! Die Suche nach dem Heiligen Gral gestaltet sich zäh und der geneigte Zuschauer wetzt in seinem Sessel. Die schauspielerischen Leistungen sind hölzern und nur Paul Bettany - blass und fies- und Ian McKellen - hinterfotzig und liebenswert - machen den Film halbwegs erträglich.
Kollegen haben mir übrigens versichert, dass der Film nicht spannender wird, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Wer hätte das gedacht?

SehZiert: Good Night, and Good Luck

goodnight

Ja, wir wissen es alle: das war ein meisterhaftes Meisterwerk aus dem Hause Clooney, darin waren sich wohl alle Kritiker einig. Ich kann da leider nur zustimmen, obwohl ich ja gern was zu meckern gehabt hätte. Der Film ist ohne Frage stilistisch einwandfrei produziert und hat auch sonst einiges zu bieten. Es wird geraucht, was das Zeug hält - dass Zigaretten Lungenkrebs verursachen wurde damals noch geflissentlich ignoriert - und George und seine Recken kämpfen mit journalistischem Löwenmut und der damaligen Ausgabe der Harald Schmidt Show gegen den erklärten Kommunistenfeind McCarthy. Es wird hervorragend geschauspielert und die Nebenhandlung, angeführt von Robert Downey, Jr. - Ist er ein Kommunist? Oder sie? Oder beide? Ui! - bringt ordentlich Schwung in die Sache. Soweit, so ansehnlich. Wer es lieber bunt mag, sollte sich diesen Film allerdings ersparen. Und wer sehr schnell gelangweilt ist, sollte sich stattdessen ein paar Folgen "Lost" zu Gemüte führen. Ansonsten: zu empfehlen; schon aufgrund des Bildungsfaktors. McCarthy, who? Jenau.

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Zuletzt aktualisiert: 12. Okt, 09:25